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Darwin

Buchbesprechung: David Quammen über Charles Darwin


Im Darwin-Jahr gibt es eine Flut neuer Bücher über Charles Darwin. Wer sich nicht so sehr für die Reise Darwins mit der H.M.S. Beagle, sondern mehr für die Entwicklung der Evolutionsbiologie interessiert, sollte diese Buch „David Quammen: Charles Darwin“ unbedingt lesen. Quammen hat es mal wieder hervorragend geschafft, auf einfache, amüsante Weise das Leben Darwins und die Entwicklung der Theorie darzustellen. Wie üblich nennt er seiner Meinung nach interessante Bücher zu dem Thema und gibt einem damit viele Bücher an die Hand für eine ausführlichere Beschäftigung mit dem Thema.
Es ist erstaunlich, dass David Quammen Bücher nicht zur Pflichtlektüre im Biologieunterricht oder zumindest im Biologiestudium gemacht werden. Es gibt keine bessere Einführung in die Problematik Inselbiogeographie, Artbildung und Artensterben als „Der Gesang des Dodo“, wissenschaftlich korrekt, eine gute Übersicht und noch gut geschrieben. Drei Wünsche auf einmal!
Auch in diesem Buch hat er sich meiner Meinung nach den interessantesten Teil von Darwins Leben herausgegriffen. Auf seiner Reise mit der Beagle war er noch sehr jung und eigentlich fast völlig unausgebildet. Für mich der wissenschaftlich uninteressanteste Zeitabschnitt in Darwins Leben.
Quammen zeichnet erst ab 1837 Darwins Werdegang nach. Dabei erfährt man, wie Darwin bis in die vierziger Jahre des 19. Jahrhunderts hinein seine Notizbücher vollgeschrieben hat mit kuriosen Fragen und Beobachtungen, die ihm immer mehr Material zur Entwicklung der Evolutionstheorie lieferten. Dann wurde er, vermutlich durch ein pseudowissenschaftliches Buch, das er ablehnte und mit dem seine Theorie nicht in einen Topf geworfen werden sollte, etwas von seinem Weg abgelenkt.

Er begann Rankenfüsser ausführlich zu untersuchen und zu beschreiben (was seinen zweiten Sohn George dazu veranlasste, bei einem Besuch bei einem Spielkameraden zu fragen: „Und wo zerlegt dein Vater seine Rankenfüßer?“). Das kostete ihn 8 Jahre. Aber er bekam auch die nötige wissenschaftliche Glaubwürdigkeit und das Wissen um sich fachlich über Artbildung und Variation innerhalb von Arten zu äußern. Warum kommt es zu Variationen innerhalb von Arten? Dazu kann Darwin im 19. Jahrhundert nichts sagen. Er kannte die Arbeiten von Mendel noch nicht.
Sind Variationen zielgerichtet oder treten sie zufällig auf? Quammen legt dabei besonderes Augenmerk auf die Tragweite dieser Frage. Wenn sie zufällig auftreten, dann hat der Mensch seine Einzelstellung im Tierreich verloren. Schließlich ist er dann aus einer Kette von zufälligen Veränderungen entstanden und nicht mehr die Krone der Schöpfung.
Darwins Theorie hatte es deshalb lange sehr schwer. Erst im 20. Jahrhundert setzte sie sich schließlich endgültig durch - dann aber mit Macht.

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